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SIV.NEWS 2016-1

INTERNATIONAL Energieeffizienz über die gewohnte Dimension hinaus SMART-METER-PROJEKT In China erprobt der IT-Dienstleister SIV.AG mit Partnern ein Energieeffizienz- Projekt. Im Vergleich zu Deutsch- land gibt es in der Volksrepublik andere Herausforderungen. Die Ausmaße sind gewaltig.   Alle zwei Jahre baut China so viel Wohn- fläche aus, wie in ganz Deutschland insge- samt existiert, veranschaulicht die Deutsche Energie-Agentur (Dena) die Bauausmaße in Fernost. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt boomt und leidet gleichzeitig un- ter einem immer größeren Smog-Problem in den Städten. Schuld ist vor allem die im- mense Kohleverstromung, die nach Anga- ben der Umweltschutzorganisation WWF 80 % der Gesamterzeugung entspricht. Die Volksrepublik verbrennt demnach zweimal mehr Kohle als die USA, viermal mehr als Indien und ist der größte CO2-Emittent weltweit. Auf Gebäude entfallen dabei laut Dena 30 Prozent des gesamten Energiebe- darfs im ganzen Land; WWF spricht sogar von 40 Prozent. Der Staat sieht Handlungs- bedarf und setzt sich daher für eine verbes- serte Energieeffizienz ein. Auf dem chinesischen Markt herrscht in die- sem Bereich eine große Dynamik. »Städte verändern ihr Antlitz manchmal innerhalb von Monaten«, beschreibt Armin Köhler, Director Business Development China der SIV.AG, eine der Herausforderungen. Der Dienstleister aus Roggentin (Rostock) hat zusammen mit Partnern ein großangelegtes Energieeffizienz-Projekt in China gestartet: In Hefei, einer Metropole im Osten Chinas, sollen etwa 60 Wohnbezirke in einem Neu- baugebiet mit ganzheitlichen verbrauchs- basierten Wärmeabrechnungssystemen ausgestattet werden. Dabei handelt es sich um etwa 40.000 abzurechnende Einheiten. Hefei kommt aktuell auf sieben Millionen Einwohner, 2009 waren es noch knapp fünf. Mit dabei im Boot ist die Deutsche Gesell- schaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, die über den Ideenwettbe- werb »develoPPP.de« Unternehmen bei »der Umsetzung innvoativer Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern« un- terstützt. Hinzu kommt der Wärme- und Stromversorger der Stadt, die Hefei Ther- moelectric Group, die laut Koehler einen starken Fokus auf Energieeffizienz legt. Messgeräte, Zähler und das System zum automatischen Auslesen (AMR) steuert die Diehl Metering mit Sitz in Jinan bei. Das Unternehmen und die SIV.AG kannten sich schon vorher – beide wollen neue internati- onale Marktanteile gemeinsam erschließen. Der IT-Dienstleister aus Roggentin bringt sich mit seiner Verbrauchsabrechnung, der Debitorenbuchhaltung, dem Zahlwesen und die Zählerverwaltung ein. Darüber hinaus will man das Netz- und Wartungs- management effektiver machen. Außerdem bringt der ostdeutsche Dienstleister prakti- sche Projekterfahrung zum Wechsel von der Pauschalabrechnung auf die verbrauchsbe- zogene mit. Chancen und Herausforderungen    Für China habe man sich entschieden, weil dort ein effizienter Umgang mit Primär- energie am höchsten und messbarsten sei, sagt Köhler. Allerdings ist es nicht immer so einfach: Herausforderungen gebe es auch hier genug. Die Umsetzung mit der ver- brauchsbezogenen Abrechnung sei häufig schwierig. Zwar gebe es chinesische Pro- dukte, aber ihnen fehle ein ganzheitlicher Abrechnungsansatz, stattdessen herrschen Insellösungen vor, integrierte Systeme mit durchgängigen Informationsweitergaben gebe es kaum. Als erstes wolle man nun die technische Infrastruktur errichten, dann folgen Zähler, AMR-System und die Abrechnungssoft- ware der SIV.AG. Der Dienstleister hat dazu seine Applikation kVASy® an den chinesi- schen Markt angepasst. Wärmeversorger stehen in China unter staatlicher Kontrolle. Es gibt kaum freien Wettbewerb, der Markt ist stark reglementiert und es existiert eine staatliche Preiskommission. »In der Regel arbeiten die Wärmeversorger unter Kosten- deckung mit staatlichen Zuschüssen«, sagt Köhler. Auch technisch sei es nicht immer einfach, eine umfassende Wärmeversor- gung sicherzustellen. Besonders der Alt- baubestand sei technisch veraltet. Zu einer weiteren Projektaufgabe gehört die Sensi- bilisierung der Bevölkerung. So seien die Chinesen über Generationen durch ein Sys- tem geprägt worden, das Energie als etwas Selbstverständliches ansieht und die »Aus- beutung der Natur und der Bodenschätze« als gemeinschaftliche gesellschaftliche Auf- gabe betrachtete. Die eher westlich geprägte Idee der Ressourcenschonung und Energie- effizienz muss sich hier erst durchsetzen. Weitere Projekte vorgesehen   Das Ende des Projekts ist für 2017 anvi- siert. Strom und Wärmeversorger Hefei Thermoelectric Group will es jedoch nicht dabei belassen und plant bereits konkrete Erweiterungen. So will er etwa Zähler und Abrechnungssoftware auf sein gesamtes Versorgungsgebiet ausrollen. (sg, erschienen in Ausgabe 12 / 2015 der ZfK) 15SIV.NEWS 1/2016

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